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Dienstjubiläum

Interview zum 30-Jahre Jubiläum mit CEO George Macdonald

Tamara Scholer - 24. November 2022

George Macdonald, CEO bei MACD, arbeitet seit 1992 für das Unternehmen und feiert damit in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Er gehört zu einem der Pioniere, wenn es um die Digitalisierung der Finanzbranche geht, und arbeitete beispielsweise am Wechsel vom Ring- auf den elektronischen Handel in der Schweiz mit. Sein Unternehmen MACD ist seit vielen Jahren sehr erfolgreich und Marktführer für Trading Connectivity in der Schweiz.

Wir haben die Gelegenheit genutzt, um mit ihm unter anderem über die Firmengeschichte zu sprechen, welche Ereignisse aus dieser langen Zeit ihm besonders in Erinnerung geblieben sind und was er zukünftig noch mit MACD erreichen möchte, ihm aber auch einige persönliche Fragen gestellt, um mehr über den Menschen hinter dem Geschäftsführer zu erfahren.

Zurück zu den Anfängen: Erzähl' doch einmal, wie alles begonnen hat.

Ich hatte den Vorteil, dass ich sehr früh Erfahrungen sammeln konnte. Mein Vater hat die Firma 1983 unter dem Namen Macdonald Associates Ltd gegründet und Software für Auktionshäuser entwickelt. Bereits zu Schulzeiten habe ich im Unternehmen ausgeholfen und unter anderem die Anrufe entgegengenommen. Da habe ich beispielsweise gelernt, dass es wichtig ist, Kunden gut zu betreuen. Ich habe regelmässig für die Firma gearbeitet, sowohl in meinen Sommerferien als auch während meines Informatikstudiums. Ab 1992 habe ich dann angefangen, in Vollzeit für das Unternehmen zu arbeiten.

1996 bin ich in die Schweiz gezogen und habe als externer Berater den Wechsel vom Ring- auf den elektronischen Handel an der SIX (ehemals SWX Swiss Exchange) begleitet, der elektronischen Börse in der Schweiz. Das war damals bahnbrechend. Ich habe bei der Migration der Banken unterstützt, d.h. die Hardware eingerichtet, die neue Software installiert usw. Die Anbindung an die Börse war relativ teuer, denn man musste dafür spezielle Hardware kaufen und Software entwickeln. Das war ein sehr komplexes Problem und stellte gerade für neue, potenzielle Mitgliedsbanken eine grosse Hürde dar, weshalb viele davon absahen, Mitglied zu werden.

Mir wurde schnell klar, dass man dies auch einfacher und günstiger gestalten kann. Ausserdem glaubte ich, dass die Konnektivität in Zukunft immer wichtiger werden würde. So entstand dann die Idee für eine gehostete Börsenanbindung, die wir xConnect nannten. Wir haben die Komplexität und die nötige Hardware in unserem Data Center gehabt, für die Banken eine Software entwickelt, die sowohl eine FIX-Schnittstelle als auch Frontend beinhaltet, und so vielen Banken ermöglicht, kostengünstig neues Mitglied bei der SIX zu werden.

Selbstverständlich hat sich MACD mit der Zeit weiterentwickelt. Wir haben unter anderem neue Asset Klassen eingeführt und unsere Palette der Module ausgebaut, aber die Kernidee war es, eine einfache und kostengünstige Lösung für die Anbindung an elektronische Märkte anzubieten.

Die Idee eines gehosteten Order Management Systems (OMS) hattest du also lange, bevor es Cloud Computing gab?

Genau, damals war der Begriff Cloud Computing gar nicht bekannt. Gehostete Systeme gab es zwar schon, allerdings waren sie nicht sehr verbreitet und in der Regel weniger in die internen Systeme sowie Prozesse der Kunden integriert. Deshalb war unser damaliges Produkt xConnect besonders: Mit der FIX-Schnittstelle boten wir eine integrierte Lösung an, die gehostet, aber trotzdem stark integriert in den Workflow und das Kerngeschäft der Banken war.

30 Jahre ist für die vergleichsweise noch junge IT-Branche ein besonderes Jubiläum. Was ist das Geheimnis von MACD? Und was bedeutet dir dein 30-jähriges Jubiläum persönlich?

Ich würde es nicht unbedingt Geheimnis nennen, aber für uns als Firma ist es wichtig, auch zu Herausforderungen zu stehen, denn diese können immer wieder auftreten, bei jeder Firma. Wir reden offen darüber und versuchen stets, mit bestem Wissen und Gewissen Lösungen für Probleme zu finden. Wenn man das tut, kann man auf seine Arbeit und das Ergebnis stolz sein.

30 Jahre klingt wirklich lange, fühlt sich für mich aber nicht so an. Die Arbeit bei MACD war immer sehr abwechslungsreich und ich konnte viele Freundschaften mit Mitarbeitenden sowie Kunden schliessen. Rückblickend erfüllt es mich mit Stolz, was wir als Team geschafft haben.

Du hast die Macdonald Associates GmbH (heute MACD) 1999 in Aachen, Deutschland mit Lucas Fowler gegründet, deinem damaligen Arbeitskollegen sowie Freund und heutiger Stream Lead Software Engineering bei MACD.

Viele würden es vermeiden, Freunde einzustellen, weil sie Angst hätten, dass die Freundschaft darunter leiden könnte. Welche Erfahrung hast du gemacht?

Das hört man oft, aber ich habe genau die gegenteilige Erfahrung gemacht. Über die ganze Zeit habe ich einige Freunde eingestellt, z.B. auch meinen ehemaligen Schulkamerad Dave Linaker, der in Grossbritannien für MACD gearbeitet hat. Ich habe damit immer sehr gute Erfahrungen gemacht und soweit ich es einschätzen kann, haben auch die Personen es immer als positiven Schritt betrachtet, für MACD zu arbeiten. Sogar bestehende Mitarbeitende von MACD sind Freunde von mir geworden. Für mich ist eine Mischung aus Freundschaft und Arbeit daher kein Problem. Ich denke sehr wichtig ist dabei, dass man auf die Werte, die man als Unternehmen verkörpert, stolz ist, und an diese glaubt. Dann kann man sehr gut Freunde einstellen.

Was ist dir aus dieser langen Zeit besonders in Erinnerung geblieben? Was waren deine persönlichen Highlights aus den 30 Jahren?

Meistens bleiben am besten die schwierigen Projekte in Erinnerung. Letztendlich konnten wir aber jede Herausforderung meistern und dann stolz auf die erzielten Ergebnisse zurückblicken.

Vor allem denke ich hier zurück an unseren Start und wie schwierig es war, den ersten Kunden zu gewinnen, da wir ja eine noch unbekannte Firma waren. 2009 gab es bei der SIX ausserdem eine grosse Technologieänderung, weshalb wir unser System grundlegend neu programmieren mussten. Dies war ein grosses Projekt mit engem Zeitrahmen, aber wir haben es geschafft, sodass einer unserer Kunden den ersten Trade auf der neuen Plattform tätigen konnte. Im Jahr 2017 haben wir uns mit OARIS zusammengeschlossen, was sehr bereichernd war durch die vielen neuen Bekanntschaften und Ansichten, die wir dadurch erhielten. Es war auch eine grosse Herausforderung, zwei Firmen zusammenzuschliessen.

Es gab noch zahlreiche weitere positive Erlebnisse. Sehr gerne erinnere ich mich beispielsweise daran zurück, wie ich 2005 gemeinsam mit Dave Linaker nach São Paolo, Brasilien gereist bin, um eine zweiwöchige FIX-Schulung bei der BM&FBovespa S.A. (die Börse in Brasilien) zu geben. Es war sehr schön, São Paolo und auch die Landschaft um die Stadt herum kennenzulernen.

Du sprichst von den Herausforderungen im Laufe der Zeit: Gab es denn auch schon Tage, wo du aufgeben wolltest? Falls ja, warum hast du trotzdem weiter gemacht?

Ich denke, wir alle haben solche Tage, und auch ich habe das in der Tat gerade am Anfang relativ oft gehabt. Wie ich gerade schon erwähnt habe, war es nicht einfach, als neues Unternehmen das Produkt überhaupt zum Laufen zu bringen, aber auch Kunden zu finden und den Cashflow abzudecken. Der gute Bezug zu meinem Team und dessen Loyalität haben mich jedoch stets davon überzeugt, dass ich weitermachen muss.

Was waren deine wertvollsten Erfahrungen?

Für mich ist es das Gesamtpaket: Zu sehen, was wir gemeinsam mit dem Team und unseren Kunden aufgebaut haben. Ausserdem habe ich über die ganze Zeit einige tolle Erinnerungen sammeln können, denn sowohl mit Mitarbeitenden als auch mit Kunden teile ich viele glückliche Momente.

Welche Eigenschaften machen für dich die ideale Führungskraft aus?

(lacht) Ich möchte erstmal sagen, dass ich das nicht bin. Aber aus meiner Sicht gibt es da verschiedene Komponenten. Zum einen muss man seinen Mitarbeitenden Freiraum geben, aber zum anderen trotzdem bereit dazu sein, an Problemen mitzuarbeiten. Ich habe aber gelernt, dass das nur in einem gewissen Masse geht. Wir waren anfangs bei MACD nur 2, dann 5, dann 10 Mitarbeitende und jetzt sind wir 40. Zu jedem Zeitpunkt waren andere Qualitäten notwendig. Ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich mich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen muss. Es ist als Geschäftsführer einfach nicht möglich, an allem mitzuarbeiten. Das war damals natürlich anders, als wir noch wenige Mitarbeitende waren. Je grösser eine Firma wird, desto mehr ist die Abstraktion vom Tagesgeschäft für einen Geschäftsführer möglich und erforderlich.

Nichtsdestotrotz ist ein guter Chef jemand, der die Thematik versteht, im Notfall die Ärmel hochkrempelt und an Problemen mitarbeitet. Eine sehr gute Führungskraft sollte den Mitarbeitenden sagen können, was sie falsch gemacht haben, wie sie sich verbessern können und ein Coaching bereitstellen. Auch sehr wichtig ist es, eine Vision oder eine Laufrichtung zu formulieren, aber auch immer wieder zu reflektieren und zuzuhören, was die Mitarbeitenden möchten und wie die Firma sich noch weiter optimieren kann. Man sollte bereit sein, den Kurs anzupassen. Letztendlich könnte man sagen, dass Empathie für die ideale Führungskraft sehr wichtig ist.

Hast du ein Vorbild?

Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich ein Vorbild habe. Es ist immer gut, sich unterschiedliche Personen anzuschauen und was sie richtig machen, um daraus zu lernen. Ein Beispiel ist für mich die Lebensgeschichte von Richard Branson und wie er als Vollblutunternehmer seine Firma aufgebaut hat.

Genauso gut kann man aber auch davon lernen, was andere falsch machen. Man liest immer wieder davon, wie Fehler im Geschäft oder Leben gemacht werden, und man soll ja bekanntlich aus seinen Fehlern lernen. Ich finde es wichtig, auch aus den Fehlern anderer zu lernen. Das zeigt einem: Aha, da hat jemand etwas falsch gemacht und vielleicht hätte ich das genauso falsch gemacht, aber ich habe dazugelernt und werde diesen Fehler nicht begehen.

Wenn du auf deine 30 Jahre bei MACD zurückschaust: Würdest du alles genauso wieder machen?

(lacht) Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, wenn jeder Mensch eine Kristallkugel hätte, würde keiner alles genauso wieder machen. Aber mit dem Wissen und den Informationen, die ich damals hatte, würde ich im Grossen und Ganzen die gleichen Entscheidungen treffen. Natürlich ist man im Nachhinein schlauer und würde manche Dinge vielleicht etwas anders machen, aber das ist ja immer so im Leben.

Welchen Leidenschaften gehst du neben dem Job nach?

Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Ausserdem betreibe ich gerne verschiedene Sportarten, z.B. Golf. Am Golf finde ich die Kombination aus Sportlichkeit und Technik spannend: Man muss sich sehr gut überlegen, wie man welche Körperbewegung macht, wie man den Platz meistert etc.

Vor kurzem habe ich ausserdem mit dem Joggen angefangen. Das habe ich eigentlich immer gemieden, aber meine Schwester hat mich letztens dazu gezwungen, auf einen Parkrun in England zu gehen. Diese finden jeden Samstag im ganzen Land statt. Es handelt sich dabei um Strecken von 5 Kilometern, bei denen jeder ganz nach seinem Tempo mitlaufen kann und sich wohlfühlen soll. Es gibt immer sogenannte Volunteers, die bewusst ganz am Ende laufen, um alle zu inkludieren, z.B. auch Personen, die mit ihrem Hund Gassi gehen. Dadurch habe ich eine gewisse Liebe zum Joggen entwickelt.

Alle Mitarbeitenden von MACD bekommen weitere Urlaubstage für Jubiläen. Was machst du mit deinen 20 zusätzlichen Urlaubstagen und wann?

Wahrscheinlich nutze ich meinen zusätzlichen Urlaub für eine Auszeit auf einem Hausboot, das wäre ein tolles Erlebnis. Dabei möchte ich möglichst wenige digitale Verbindungen haben und einfach Zeit mit der Natur und mir selbst verbringen. Wo genau kann ich noch nicht sagen, vielleicht in England, da es sich aufgrund seiner vielen Flusswege einfach gut eignen würde. Ich finde es wichtig, die Tage für etwas zu verwenden, was man sonst nicht gemacht hätte, und dann auch nicht nur einzelne Tage freizunehmen. Dass man sich bewusst sagt: Das wollte ich schon immer machen und dafür nehme ich mir jetzt die Zeit. Da ich aber auch gerne mit dem Zug verreise, käme das alternativ auch für mich in Frage. Einfach mehr durch fremde Länder reisen.

Ich hoffe, dass ich dies im nächsten Jahr umsetzen kann. Ich habe den grossen Vorteil, dass ich mich auf das Team verlassen kann: Ich weiss, dass ich für ein paar Wochen offline gehen kann und mit etwas Vorbereitung vorab das Geschäft auch ohne mich weiterläuft.

Wo siehst du MACD in der Zukunft? Was möchtest du (gemeinsam mit deinem Team) noch erreichen?

Ich bin davon überzeugt, dass wir noch eine sehr spannende Zeit vor uns haben. Erst kürzlich haben wir einiges Neues in unser System integriert. Ausserdem haben wir unser Fondangebot stark ausgebaut und arbeiten derzeit mit der InCore Bank daran, den Handel mit Digital Assets auszurollen. Mit einem Kunden zusammen haben wir den FX Handel eingeführt. Wir haben noch weitere Kunden, die Interesse daran haben, auch den Devisenhandel über unser System zu tätigen. Es gibt noch einige Assetklassen, die digitalisiert werden können. Weiterhin sind wir in vollen Zügen daran, externe Vermögensverwalter direkt mit unseren Kunden zu verbinden. Letztendlich haben wir auch das Potenzial, international zu wachsen.

Ausserdem haben wir ein sehr gutes Team, was mir viel Freude bereitet. Unser Team bietet eine gute Mischung aus langjährigen Mitarbeitenden mit viel Erfahrung und neuen Leuten, die weitere Ideen mitbringen. Ich blicke daher sehr optimistisch in die Zukunft.

Was möchtest du den Kunden und Partnern von MACD noch sagen?

Vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit. Ich habe sehr viele gute Erinnerungen an die gemeinsame Arbeit mit den Kunden sowohl auf geschäftlicher als auch persönlicher Ebene, z.B. durch verschiedene Anlässe, die wir gemeinsam erleben konnten.

Zusammenfassend möchte ich einfach sagen: Dankeschön!

Vielen Dank, George, für das Interview und die sehr interessanten Einblicke. Wir freuen uns schon darauf, dein nächstes Jubiläum mit dir zu feiern!

Gerne und vielen Dank.